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Dein Körper als Tor zum Sein

Ein Artikel von Carsten Dohnke.

Mein Körper, mein Zuhause

Ich kann ein Feuer in meinem Haus nur löschen, wenn ich zuhause bin.

So ist es auch bei inneren Prozessen oder emotionalen Themen. Die natürliche Verbundenheit mit meinem Körper ermöglicht mir persönliches und spirituelles Wachstum und die Aufarbeitung alter Lebensthemen. Das Problem ist allerdings: Die meisten Menschen haben nur wenig Bezug zu ihrem Körper und zu sich selbst. Wir sind oft angespannt oder erschöpft, „kreisen wie Gefangene“ in unseren Gedankenwelten, lehnen unseren Körper ab oder peitschen uns durch anstrengende Fitnessprogramme, um „fit“ zu sein, gut zu funktionieren oder toll auszusehen.

Bei mir ankommen

Wirklich bei sich anzukommen, geht aber immer einher mit Selbstakzeptanz und Selbstliebe und einem Gefühl von „nach Hause kommen“. Warum ist das so wichtig? Erst wenn ich meinen Körper wie ein eigenes Haus wahrnehme, kann ich auch durch die verschiedenen inneren Zimmer schreiten. Und dort aufräumen und frische Luft reinlassen.

Dieses Ankommen in mir selbst wird in den Ansätzen von Tao, Qigong und Taiji besonders betont. Und es ist nicht nur der Fokus auf Stille und Ruhe, der dazu führt. Sondern vor allem das Training von Feinmotorik, Balance-Übungen, aktivem Körpertraining und tiefem Atem. Dieses Zusammenspiel führt zu einer neuen Vernetzung mit mir selbst – ich beginne mich wirklich zu fühlen und gleichzeitig in mir zu ruhen. So entwickelt sich ein natürliches Selbstwertgefühl, die Fähigkeit Stress schneller zu verarbeiten und in Krisen stabil zu bleiben. Zudem stärke ich meine Lebensenergie „Qi“, erlebe mehr Freude, Leichtigkeit und Mut im Alltag und gehe durch den neuen „Bezug zu mir selbst“ auch gesündere Beziehungen ein.

 

Authentische Verbundenheit

In einer Meditation ist es nun leicht die Innenräume meines Hauses zu betreten. So lässt man in der Weisheitslehre des Tao oft die Liebe des Herzens wie eine nährende und heilende Sonne in die inneren Zimmer, z.B. in die Organe, scheinen. Auch dies ist eine physische Erfahrung: Es fühlt sich so an, als ob man nach innen sinkt und der Raum zwischen den Zellen weiter wird, einhergehend mit einer inneren Stille und einem Getragen sein. Geht diese Innenschau mit Akzeptanz und Selbstliebe einher, können nun alte Gefühle, aber auch Traumata und unsere Schattenseiten zum Vorschein kommen und langsam „wie Eis in der Sonne“ zu schmelzen beginnen – diese Integration lässt sich auch gut durch Coaching und therapeutische Arbeit etc. unterstützen.

Und wie von selbst scheint nun auch immer mehr frische Luft und Licht durch die inneren Fenster hinein – ein Geschmack von Freiheit und Sein, das Leben berührt mich. Dies ist der Beginn echter Meditation.

Das Tor zum Sein

Und erst das Zuhause sein in meinem Körper ermöglicht mir, diesen Geschmack „wie ein Download“ in alle meine Zellen aufzunehmen. So kann er in mein Leben, meinen Alltag hineinströmen. Denn meditative Erfahrungen und mystische Erlebnisse können nur in verankert werden, wenn wir bei uns sind.